Zusammenfassung
Einleitung Massagen verschiedenster Art werden zunehmend als komplementäre Therapie bei einer Reihe von Indikationen z. B. auch im geriatrischen oder palliativmedizinischen Bereich oder in der Behandlung Frühgeborener, aber auch in der Prävention von „burn-out“-Syndromen eingesetzt. Kontrollierte Studien belegen den antidepressiven, allgemein entspannenden aber auch analgetischen Effekt. Kaum Daten existieren aber zu den subjektiven psychophysischen Massagewirkungen bei der typischen Klientel üblicher physiotherapeutischer Praxen.
Methoden Wir untersuchten die subjektiven Wirkungen einer einstündigen psychoaktiven Massage („Vasana“) bei 100 Probanden in einer offenen einarmigen Versuchsanordnung mit 3 sukzessiven Messzeitpunkten. Zur Datenerfassung benutzten wir speziell konstruierte Fragebögen und visuelle Analogskalen.
Ergebnisse Die in einer Physiotherapie-Praxis rekrutierte Probandengruppe hatte einen höheren Frauenanteil und wies mehr psychosomatische Beschwerden auf als die deutsche Normalbevölkerung. Unmittelbar nach der Massage stellte sich ein signifikant erhöhtes allgemeines Wohlgefühl im Vergleich zum 14 Tage zuvor erhobenen Ausgangsniveau ein, das nach 14 Tagen nicht mehr beobachtet wurde. Die 13 Dimensionen psychophysischer Befindlichkeit zeigten mehrheitlich signifikante Verbesserungen, z. B. weniger Ängstlichkeit und depressive Stimmung, weniger myofaszialer Schmerz. In einem Drittel der Probanden wurden positive Effekte auch noch nach 14 Tagen dokumentiert, z. B. erhöhte körperliche Aufmerksamkeit, weniger Schlafstörungen. Verschiedene neurobiologische Mechanismen können diese Effekte erklären.
Schlussfolgerungen Massage als eine Form der therapeutischen Berührung sollte verstärkt in moderne multidimensionale Behandlungspläne bei psychosomatischen/psychiatrischen Störungen integriert werden, dies gilt insbesondere auch für die Behandlung chronischer Schmerzzustände. Studien belegen, dass auch in der Geburtsvorbereitung und in der postpartalen Phase Massagen eine wichtige Rolle spielen können.