Zusammenfassung
Ziel Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sind wirtschaftlich, global aber auch individuell noch nicht abzu-schätzen. Aufgrund der Neuartigkeit wurden in Deutschland viele ad-hoc-Entscheidungen getroffen, die Einfluss auf das gesamte Gesundheitswesen hatten. Dies betraf sowohl Abläufe in Gesundheitsämtern, als auch direkt die medizinische Versorgung COVID-19-Erkrankter, die durch multiple Faktoren zum Teil keine adäquate ambulante Therapie erhielten. Das Ziel der Untersuchung war es, die Zufriedenheit von Personen während und nach COVID-19-Infektion mit den erhaltenen Therapien sowie den Akteuren des Gesundheitssystems darzustellen und somit diesen Aspekt in der aktuellen Diskussion stärker in den Fokus zu rücken.
Methodik Der neu entwickelte Fragebogen zur Erfassung von Rehabilitationsbedürfnissen und der Zufriedenheit von COVID-19-Erkrankten (Rehabilitation Needs Questionnaire (RehabNeQ)) wurde in einer Kooperation mit zwei bayerischen Gesundheitsämtern per Post im Juli 2020 an die Betroffenen versandt. Die Auswertung erfolgte deskriptiv mit Darstellung der Häufigkeiten.
Ergebnisse 1027 Fragebögen wurden verschickt. Die Rücklaufquote betrug 41%. 365 Datensätze konnten ausgewertet werden. Der Altersdurchschnitt lag bei 49,8 Jahren. Insgesamt waren 43,8% mit den Angeboten des Gesundheitswesens während des Befragungszeitraumes zufrieden oder sehr zufrieden. 54% waren mit den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes zufrieden. 28,5% gaben an, sich weitere Therapien gewünscht, diese aber vor allem durch Ablehnung oder fehlende Ansprechpartner, nicht erhalten zu haben. Nur ein geringer Anteil hatte Kontakt zu einem Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin. Termine in speziellen Nachsorgeeinrichtungen wurden von den meisten Befragten als weiterer Therapiewunsch genannt.
Schlussfolgerung Die Zufriedenheit mit den Beteiligten des Gesundheitswesens in den ersten Monaten der Pandemie war bei den Befragten der beiden bayerischen Landkreise hoch, wenngleich viele Befragte sich gewünscht hätten schneller besser informiert zu sein. Besonders bzgl. der erhaltenen Therapien zeigt sich weiterer Handlungsbedarf. Die multifaktoriellen funktionellen, zum Teil langanhaltenden Defizite nach einer SARS-CoV-2 Infektion bedürfen eines rehabilitativen Gesamtkonzepts. Die Bildung weiterer COVID-19 Nachsorgeeinrichtungen sollte Teil dieser Strategie sein, in denen eine multidisziplinäre Behandlung nach entsprechender Diagnostik stattfindet. Dadurch könnte zu einer schnelleren Rückkehr in die normale Belastbarkeit und Arbeitsfähigkeit beigetragen werden.