scholarly journals Integratives Vorgehen bei den Therapieschulen der Schweizer Charta für Psychotherapie

2018 ◽  
Vol 8 (2) ◽  
pp. 75-82
Author(s):  
Aureliano Crameri ◽  
Margit Koemeda ◽  
Volker Tschuschke ◽  
Peter Schulthess ◽  
Agnes von Wyl

Verschiedene Forschungsergebnisse unterstützen die These, dass die Mehrheit der Therapeutinnen und Therapeuten eine integrative Praxis ausüben. Ausgehend von dieser Annahme wurden im vorliegenden Artikel, auf der Basis der Audioaufnahmen von Therapiesitzungen, Gemeinsamkeiten in der therapeutischen Haltung bzw. in der Anwendung von therapeutischen Techniken zwischen Therapeutinnen und Therapeuten aus verschiedenen Schulen analysiert. Als Grundlage für die Analyse wurden zwei Stichproben von 108 bzw. 162 Sitzungen aus Therapien aus der »Praxisstudie Ambulante Psychotherapie Schweiz« verwendet. Die Audioaufnahmen der Sitzungen wurden entweder mit dem Psychotherapie-Prozess Q-Set oder mit dem PAP-S-Rating-Manual analysiert. Beide Instrumente zeigten deutliche Ähnlichkeiten bezüglich Handlungen und Haltungen von Therapeutinnen und Therapeuten mit unterschiedlichen therapeutischen Orientierungen. Bezüglich der Art der verwendeten Interventionen, die in jeder Therapeut/innengruppe beobachtet wurden, zeigte sich, dass mit Abstand am häufigsten die emotionsbezogenen Interventionen verwendet wurden. An zweiter bzw. an dritter Stelle standen die verhaltensbezogenen bzw. die auf das Unbewusste gerichtete Interventionen. Auch besondere Techniken, wie die körperbezogenen oder kunstund ausdrucksorientierten Interventionen, liessen sich in jeder Gruppe beobachten.


Author(s):  
Anja Bischof ◽  
Christian Meyer ◽  
Gallus Bischof ◽  
Nadin Kastirke ◽  
Ulrich John ◽  
...  

Ziel: Die vorliegende Studie berichtet über die Inanspruchnahme von suchtspezifischen Hilfen bei Pathologischen Glücksspielern. Methode: Die Bevölkerungsstichprobe basiert auf 15 023 Probanden, deren Telefonnummern zufällig gezogen wurden. Zusätzlich wurden in 39 Glücksspielstätten 303 Spieler befragt. Mit einem computergestützten telefonischen Interview wurden Spielverhalten und Spielprobleme bezogen auf die Lebenszeit erfragt. In beiden Stichproben zusammen wurden 232 Probanden erfasst, die im Verlauf ihres Lebens pathologisch gespielt hatten. Von ihnen erhielten 105 Personen ein vertiefendes klinisches Interview. Ergebnisse: Von den Befragten berichteten 20 % Kontakt zum Hilfesystem im Verlauf ihres Lebens. Weitergehenden Kontakt berichteten 10,5 %, am häufigsten wurden Suchtberatungsstellen (5,7 %), Selbsthilfegruppen (4,8 %) und ambulante Psychotherapie (3,8 %) genannt. Inanspruchnahme formeller Hilfen war mit der Problemschwere assoziiert (p = .022). Außerdem zeigte sich ein Zusammenhang zwischen bestimmten DSM-IV Kriterien und dem Kontakt zum Hilfesystem. Schlussfolgerungen: Es ist von einer gravierenden Unterversorgung Pathologischer Glücksspieler auszugehen. Glücksspielspezifische Hilfeangebote scheinen die Betroffenen bislang nicht in ausreichendem Maße zu erreichen.



2018 ◽  
Vol 66 (1) ◽  
pp. 48-60 ◽  
Author(s):  
Matthias Backenstrass ◽  
Markus Wolf

Zusammenfassung. Internet- und mobilbasierten Interventionen wird großes Potenzial in der Behandlung von Menschen mit depressiver Symptomatik zugeschrieben. Diese Einschätzung hat sich in den letzten Jahren vor dem Hintergrund mehrerer Programmentwicklungen und einer Vielzahl von Studien zur Wirksamkeitsprüfung der zumeist auf der kognitiven Verhaltenstherapie basierten Angebote etabliert. Ziel der vorliegenden Übersichtsarbeit ist es, zu prüfen, inwieweit sich aus der empirischen Befundlage wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für die Versorgungsbereiche Prävention, Primärversorgung, ambulante Psychotherapie, fachärztliche Versorgung sowie die stationäre Behandlung ableiten lassen. Hierfür werden die Ergebnisse ausgewählter Studien, die in den genannten Versorgungsbereichen angesiedelt sind und die Erhebung der Diagnose depressive Störung auf ein Expertenurteil stützen, kritisch bewertet. In der Schlussfolgerung ermöglicht die gegenwärtige Studienlage keine eindeutige Empfehlung zum Einsatz von internetbasierten Behandlungsprogrammen in den genannten Versorgungsbereichen.



2011 ◽  
Vol 40 (4) ◽  
pp. 283-297 ◽  
Author(s):  
Wolfgang Lutz ◽  
Jan R. Böhnke ◽  
Katharina Köck ◽  
André Bittermann

Zusammenfassung. Als erstes dieser Art in Deutschland zielt das Modellprojekt „Qualitätsmonitoring in der ambulanten Psychotherapie” darauf ab, ein modifiziertes Qualitätssicherungs- und Rückmeldeverfahren in der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen hinsichtlich seiner Einsetzbarkeit zu untersuchen. Im vorliegenden Beitrag werden die Aspekte der Eingangsdiagnostik, des Rückmeldesystems, der Patientenzufriedenheit, der Therapiedauer und der Evaluation des Projektes durch die Patienten vorgestellt. In der Interventionsgruppe (IG) wurden Checklisten zur Diagnosestellung genutzt und im Gegensatz zur Kontrollgruppe (KG) ebenfalls kontinuierliche Rückmeldungen zum Therapiefortschritt im Verlauf gegeben. Daten zu Therapiebeginn lagen von 1708 Patienten (IG:1031; KG:677) und 245 Therapeuten vor. Die ambulante Psychotherapie stellte sich als effektives Verfahren bei klar psychisch belasteten Personen heraus. In der IG (Einsatz Diagnosechecklisten) wurden im Vergleich zur Kontrollgruppe (KG) insgesamt mehr Diagnosen pro Patient durch die Therapeuten vergeben. Der überwiegende Teil der Therapeuten nutzte die Rückmeldungen für die Therapie und besprach die Ergebnisse mit den Patienten. Konsistent mit der Literatur zu Rückmeldungen in die Psychotherapiepraxis ließen sich frühzeitig im Therapieverlauf durch das Feedbacksystem prädiktive Verlaufsmuster identifizieren. Ferner war die Patientenzufriedenheit in der IG höher (Effektstärke: d = 0.27). Die Behandlungsdauer der IG lag im Rahmen der sich in den unterschiedlichen Kontrollgruppen der Versorgungspraxis ergebenden Behandlungsdauer. Die Zufriedenheit mit dem Modellprojekt ist bei den Patienten am höchsten. Die Patienten erlebten den Einsatz der Rückmeldungen bei vertretbarem Zeitaufwand als wichtig und hilfreich und mit der eigenen Einschätzung übereinstimmend. Die Befunde unterstreichen die Bedeutung von Qualitätssicherungs- und Rückmeldesystemen in der ambulanten Psychotherapie.



Author(s):  
Sasha-Denise Grünzig ◽  
Wiebke Teigelkötter ◽  
Jürgen Bengel ◽  
Lena Violetta Krämer

Zusammenfassung Ziel der Studie Patienten warten in Deutschland durchschnittlich 5 Monate auf den Beginn einer ambulanten Psychotherapie. Begleitete webbasierte Selbsthilfeinterventionen können depressive Symptome in der Wartezeit reduzieren. Ziel der Studie ist zu untersuchen, wie Betroffene die Teilnahme an einer webbasierten Intervention zur Stimmungsverbesserung erleben. Methodik Patienten auf den Wartelisten kooperierender Hochschulambulanzen wurden dazu eingeladen, im Rahmen einer Studie eine webbasierte Intervention zur Stimmungsverbesserung zu nutzen. Elf Teilnehmende der Intervention wurden in einem qualitativen Telefoninterview zu ihren Erfahrungen mit der Maßnahme befragt. Die Daten wurden entsprechend den Prinzipien der Grounded Theory analysiert. Ergebnisse Aus den Daten konnten 3 Kategorien extrahiert werden, welche das Erleben der Teilnehmenden hinsichtlich ihrer Erwartungen, ihrer Erfahrungen sowie ihrer Adhärenz beschreiben. Die webbasierte Intervention wurde sehr unterschiedlich erlebt und sowohl mit positiven als auch negativen Erfahrungen verbunden. Die Teilnehmenden ließen sich anhand der beschriebenen Kategorien in 3 Nutzertypen gruppieren: Den selbstständigen Typus, den überforderten Typus und den anspruchsvollen Typus. Diskussion Nicht alle Patienten machen gleichermaßen gute Erfahrungen mit der Intervention und einige scheitern an der Umsetzung. Um Patienten bestmöglich auf die Nutzung der Intervention vorzubereiten, sollten sie vorab noch ausführlicher über die Handhabung und Ziele der Intervention aufgeklärt werden. Interventionen sollten individuell entsprechend des Unterstützungsbedarfs von Patienten implementiert werden, um positive Erfahrungen zu ermöglichen und adhärenzfördernd zu wirken.



2018 ◽  
Vol 68 (06) ◽  
pp. 234-241 ◽  
Author(s):  
Kristina Fuhr ◽  
Bettina Fahse ◽  
Martin Hautzinger ◽  
Marco Gulewitsch

Zusammenfassung Einleitung Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit von internet-basierten Selbsthilfeprogrammen. Allerdings bemühen sich nur wenige Untersuchungen um die Integration in die Versorgungssituation. Die vorliegende Arbeit untersuchte die Implementierbarkeit einer internet-basierten Intervention in die ambulante Versorgung von Personen mit depressiven Symptomen während der Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz in einer psychotherapeutischen Hochschulambulanz. Material und Methoden Die Teilnehmer auf der Warteliste für einen ambulanten Psychotherapieplatz wurden zufällig entweder einer Kontrollgruppe oder einer Interventionsgruppe, die einen Zugang zu dem internet-basierten Programm Deprexis während der Wartezeit bekam, zugeteilt. Die depressive Symptomatik wurde vor und nach der Wartezeit erfasst. Außerdem wurden Erwartungen der Teilnehmer erfragt und die Nutzungsdauer des Programms explorativ untersucht. Ergebnisse Nur etwa die Hälfte der Personen, die über die Studie informiert wurden, bekundeten Interesse. Teilnehmer, die mit dem Programm Deprexis arbeiten konnten, nutzen im Schnitt nur die Hälfte der dargebotenen Themeneinheiten. In beiden Gruppen sank die depressive Symptomatik während der Wartezeit, die Verbesserung war jedoch nicht signifikant. Diskussion Bei der Integration internet-basierter Interventionen in die Regelversorgung sollte zukünftig eine Anleitung und Begleitung durch einen Psychotherapeuten angedacht sowie Präferenzen der Teilnehmer berücksichtigt werden, um die Adhärenz und damit auch potentiell die Effektivität des Programms zu steigern. Schlussfolgerungen Internet-basierte Selbsthilfeprogramme zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz depressiver Patienten bedürfen der Betreuung („guidance“).



2019 ◽  
Author(s):  
Jörn von Wietersheim ◽  
Birgit Seitz ◽  
Edit Rottler ◽  
Nikolai Köppelmann ◽  
Harald Gündel

Zusammenfassung Ziel der Studie Patienten und Hausärzte berichten oft, dass es sehr schwierig sei, einen Platz für eine ambulante Psychotherapie zu bekommen. Daher sollte in einer prospektiven Studie untersucht werden, wie viel Aufwand Patienten betreiben müssen und wie lange es dauert, bis sie ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten bekommen. Methodik 59 Patienten, die eine Empfehlung für Psychotherapie bekommen hatten, wurden über 3 Monate begleitet und telefonisch befragt, welche Schritte sie zur Kontaktaufnahme unternahmen und welche Antworten sie erhielten. Ergebnisse Im Mittel führten die Patienten 9,3 (SD 11,8) Telefonate mit Therapeuten, Range 1–50. Nach 3 Monaten hatten 57,7% der Patienten einen Therapieplatz erhalten oder standen auf einer Warteliste, 15,3% suchten immer noch, 6,8% hatten die Suche aufgegeben, 20,3% hatten gar nicht mit der Suche begonnen. Schlussfolgerungen Die Daten zeigen, wie aufwändig die Therapeutensuche ist, aber auch, dass es dem größeren Teil der Patienten gelingt, einen Therapieplatz zu finden. Hintergründe des Scheiterns der Therapeutensuche können Ambivalenzen bei den Patienten, aber auch die deutlichen Hürden im Versorgungssystem sein.



2010 ◽  
Vol 55 (6) ◽  
pp. 503-514 ◽  
Author(s):  
Cornelia Albani ◽  
Gerd Blaser ◽  
Michael Geyer ◽  
Gabriele Schmutzer ◽  
Elmar Brähler


2010 ◽  
Vol 56 (1) ◽  
pp. 51-60 ◽  
Author(s):  
Cornelia Albani ◽  
Gerd Blaser ◽  
Michael Geyer ◽  
Gabriele Schmutzer ◽  
Elmar Brähler


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