kulturelles kapital
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2021 ◽  
Vol 28 ◽  
Author(s):  
Charlotte Lenger

Der Beitrag stellt eine Untersuchung des Romans Die Schaukel (1934) von Annette Kolb hinsichtlich des emanzipatorischen Potenzials dar, Verschränkungen sozialer Ungleichheit subversiv zu unterlaufen. Es wird dabei angenommen, dass Literatur als kulturelles Produkt gesellschaftliche Strukturen sichtbar macht, reproduziert, aber auch infrage stellen kann. Die Analyse narratologischer Darstellungsweisen hinsichtlich der Konstruktion narrativer Identitäten deckt unter Einbezug intersektionaler Überlegungen subversive Strategien bezüglich gegebener Machtund Herrschaftsstrukturen auf. Es wird gezeigt, dass unteranderem anhand der beiden Figuren Herr und Frau Lautenschlag eine binär strukturierte Opposition von Männlichkeit und Weiblichkeit und eine damit einhergehende Verschränkung von Ungleichheit bezüglich der identitären Strukturkategorien Geschlecht und Ökonomie durch die Verortung innerhalb von geschlechtsspezifischen Räumen sowie durch erzähltextspezifische Zeitdarstellung erwirkt und gleichzeitig durch Ironie unterlaufen wird. Eine Bezugnahme auf gesellschaftliche Strukturen des extraliterarischen Raumes wird durch die Erzählinstanz als ‚engaging narrator‘ hergestellt, welche die Identitäten der bayrischkatholischen Familie Lautenschlag und der preußisch-protestantischen Familie von Zwinger narrativ und affirmativ als sich gegenüberstehende Oppositionen innerhalb des Diskurses der deutschen Nationalgründung konstruiert. Diese Konstruktion äußert sich als geprägt von einer Verwobenheit der Kategorien Nation, Religion, Ökonomie und Klasse. Deutlich wird durch die Untersuchung, dass sich die Familie Lautenschlag besonders durch ihr kulturelles Kapital von den von Zwingers und ihrem Wertesystem emanzipiert. Der Übermut der Kinder Lautenschlag zeigt sich als Freifahrtschein gegenüber jeglichen Konventionen. Die allegorische Darstellung der Tochter der Lautenschlags Hespera im Sinne des ‚Friedens‘ zwischen unterschiedlichen nationalen Identitäten und konfessioneller Zugehörigkeit stellt eine sich der eindeutigen Zuordnung verweigernde Figur dar. Ebenso vermittelt die narrative und besonders von Ironie disponierte Konstruktion der Tochter Mathias sowohl eine geschlechtliche Ambiguität als auch einen Widerstand gegenüber sozialer Assimilation.



Author(s):  
Heiner Barz

ZusammenfassungIn der deutschsprachigen erziehungswissenschaftlichen Forschung findet sich eine vertiefte Thematisierung von Fragen aus dem Umfeld der Bildungsfinanzierung und der Bildungsökonomie kaum. Themen, die den Zusammenhang von Bildung und finanziellen Parametern (Kosten, Erträgen, Renditen) betreffen, finden in der Bildungsforschung meist nur bei bildungspolitisch relevanten Weichenstellungen etwas Aufmerksamkeit – etwa in der Diskussion über Studiengebühren oder Digitalpakt. Der Beitrag versucht Schlaglichter auf grundlegende Positionen zu werfen und das verfügbare Wissen in der Grenzregion zwischen Wirtschaft und Pädagogik zu systematisieren. Insbesondere stehen dabei Fragen der Bildungsfinanzierung im Fokus. Beispielhaft kommen dabei der soziokulturelle Ansatz Bourdieus („kulturelles Kapital“), strittige Zuordnungen bei der Zusammenstellung des deutschen Bildungsbudgets und eine Auseinandersetzung mit dem Konzept der Finanzautonomie im Schulbereich zur Darstellung.



2020 ◽  
Vol 28 (2) ◽  
pp. 99-109
Author(s):  
Klaus Vibe

ZusammenfassungPaulus erläutert niemals seine Ansicht über das griechische Konzept von paideia. Gleichwohl vertritt die jüngere Forschung nicht nur die Auffassung, dass die Vorstellung des griechischen paideia eine vorrangige Stellung in der griechisch-römischen Welt hatte, sondern zeichnet auch Paulus als Fürsprecher einer besonderen Art von christlicher paideia. Dies wirft Fragen zur Art der Beziehung zwischen dem Evangelium des Paulus und paideia auf. Die gegenwärtige Forschung stellt auch heraus, dass es einen Konflikt zwischen den Wertvorstellungen von paideia und jenen der Evangeliumsbotschaft von Paulus gegeben hatte. Dabei wird zuweilen eingeräumt, dass es schwierig ist festzulegen, wie die ethischen Wertvorstellungen von Paulus sich von jenen in seinem kulturellen Kontext unterscheiden. Mitunter wird auch die Grundlage für einen Ruf nach einer Werteumkehr in Frage gestellt, wie sie im Denken von Paulus bisher identifiziert worden ist.Dieser Artikel vertritt die Auffassung, dass Vertreter des griechischen Konzeptes von paideia eine Unterscheidung zwischen einer gebildeten und einer ungebildeten Bevölkerungsschicht zu etablieren suchten in der Annahme, das nur die gebildete Elite moralisch qualifiziert war, ein politisches Amt zu bekleiden. Somit stellt paideia eine Art kulturelles Kapital dar, welches die gebildete Elite dazu benutzt hatte, ihre eigene, überlegene Position zu rechtfertigen. Dem entgegen erläutert Paulus in Galater 6:14- 16, dass er der Welt gekreuzigt ist und dass weder die Beschneidung noch das Unbeschnittensein irgendetwas gelten; eine neue Schöpfung zu sein ist alles, was zählt. Gemäß dem Gegner von Paulus in Galatien stellt die Beschneidung eine andere Form von kulturellem Kapital dar, was die Unterscheidung zwischen Beschnittenen und Unbeschnittenen rechtfertigt. Allerdings hat Paulus zufolge das Christusereignis die Bedeutung dieser Unterscheidung dramatisch reduziert. Ebenso hat sich, gemäß Paulus, der Wert des griechischen paideia ‐ und somit die Unterscheidung zwischen Gebildeten und Ungebildeten ‐ in Nichts aufgelöst; das Christusereignis hat die vom Konzept paideia vertretene Weisheit über den Haufen geworfen und damit die Grundlage für dessen Statusanspruch hinweggenommen.SummaryPaul never accounts for his views on Greek paideia. Nonetheless, recent research has not only argued that Greek paideia held a prominent position in the ancient Graeco-Roman world but also pictured Paul as an advocate of a specific form of Christian paideia. This raises questions about the nature of the relationship between Paul’s gospel and paideia. Recent research has also stressed that there was a conflict between the values of paideia and those of Paul’s gospel message, sometimes recognising that it can be difficult to specify how Paul’s ethical values differ from those of his cultural context, and sometimes questioning the basis of the call for a reversal of values that has been identified in Paul’s thinking.This article argues that advocates of Greek paideia sought to establish a distinction between the educated and the uneducated, presuming that only the educated elite was morally qualified to hold political office. Thus, paideia represents a kind of cultural capital that was used by the educated elite to justify their own superior position. However, in Galatians 6:14-15 Paul explains that he has been crucified to the world and that neither circumcision nor uncircumcision counts for anything; being a new creation is all that matters. Circumcision represents another kind of cultural capital that, according to Paul’s opponents in Galatia, justifies the distinction between circumcised and uncircumcised. However, according to Paul, the Christ-event has dramatically reduced the importance of this distinction. Similarly, according to him, the significance of Greek paideia ‐ and hence of the distinction between educated and uneducated - has been reduced to nothing; the Christ-event has overturned the wisdom represented by paideia and thus removed the basis for its claim to status.RésuméPaul n’expose nulle part son point de vue sur la notion grecque de païdeia. Pourtant, la recherche récente a montré que c’était là une notion importante dans le monde gréco-romain ancien et que Paul préconisait une forme spécifique de païdeia chrétienne. Ce qui pose la question du rapport entre la païdeia et l’Évangile prêché par Paul. La recherche récente a aussi montré que les valeurs du message de l’Évangile paulinien entraient en conflit avec les valeurs associées à la notion de païdeia : on reconnaît parfois qu’il peut être difficile de préciser en quoi les valeurs éthiques de Paul diffèrent de celle de son contexte culturel, et l’on s’interroge parfois sur la base sur laquelle repose l’appel à un renversement des valeurs que l’on repère dans la pensée de Paul.L’auteur souligne que les défenseurs de la notion grecque de païdeia visaient à distinguer les gens éduqués des autres, en présumant que seuls ceux qui faisaient partie de l’élite éduquée étaient moralement qualifiés pour assumer une fonction politique. Ainsi, la païdeia représentait une sorte de capital culturel servant à l’élite éduquée de justification pour leur position sociale supérieure. Mais en Galates 6.14-15, Paul déclare qu’il a été crucifié pour le monde et que ni la circoncision ni l’incirconcision n’ont d’importance ; tout ce qui compte est d’être une nouvelle création. La circoncision représentait un autre type de capital culturel qui justifiait, aux yeux des adversaires de l’apôtre, la distinction entre circoncis et incirconcis. Mais pour Paul, l’événement Jésus-Christ a radicalement réduit l’importance de cette distinction. De même aussi, selon lui, l’importance de la païdeia, et donc de la distinction entre éduqué et non éduqué, a été réduite à néant : l’événement Jésus- Christ a renversé la sagesse que représente la païdeia et ôté tout fondement à la revendication d’un statut particulier sur cette base.



2020 ◽  
Vol 4 (2) ◽  
pp. 244-277
Author(s):  
Kristina Seidelsohn ◽  
Thomas Verlage ◽  
Uwe Flick ◽  
Andreas Hirseland
Keyword(s):  

Arbeitsmarktteilhabe spielt eine zentrale Rolle für gesellschaftliche Integration und soziale Anerkennung von Geflüchteten. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit führt häufig zunächst nicht in stabile, existenzsichernde Vollzeitarbeitsverhältnisse, sondern in ›prekäre‹ Randgebiete des Arbeitsmarkts. Angesichts der Unterschiede der Bildungsbiographien wird in dem Beitrag untersucht, wie verschiedene Gruppen von Geflüchteten in Herkunftsländern erworbenes formelles und informelles Kapital nutzen, um Arbeit in Deutschland zu finden. An zwei Teil­samples (N=14 aus Eritrea und N=23 aus Syrien) einer laufenden Studie wird gezeigt, wie Herkunftssituationen, soziale und ethnische Zugehörigkeiten die Konvertierbarkeit ›mitgebrachten‹ und den Erwerb neuen Kapitals im Zielland moderieren können. Interviews mit arbeitsmarktbezogenen Akteur*innen beleuchten institutionelle und strukturelle Aspekte der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Es zeigt sich, dass neben der Relevanz einer Anerkennung von Zertifikaten aus den Herkunftsländern auch anderes (soziales, symbolisches und inkorporiertes kulturelles) Kapital für das Übergangsgeschehen und die weiteren Erwerbsverläufe von Bedeutung sind.







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